Februar 23

Vom Tellerwäscher… 

Nachdem ich jetzt in Richmond, einem Vorort von Vancouver, bei der alleinerziehenden Mutter untergekommen bin, fange ich an mich hier in Kanada einzuleben und so ein bisschen in einen Alltag zu kommen. 
Zu einem großen Teil liegt das sicherlich auch daran, dass ich in einem Restaurant, der Old Spaghetti Factory, einen Job gefunden habe und 5 Schichten in der Woche arbeiten kann.

Während ich in den ersten 3 Schichten noch als Tellerwäscher gearbeitet habe, was wirklich ein anstrengender Beruf ist und ich jetzt vor jedem der das länger macht, Respekt habe, arbeite ich jetzt als sogenannter“busser“. Das sind die Leute, die das dreckige Geschirr abräumen und den Tisch wieder neu decken, was hier eine eigene Tätigkeit ist und nicht von der Bedienung gemacht wird. So bin ich immerhin schon  vom Tellerwäscher zum Tisch abräumen aufgestiegen… 

Es ist auf jeden Fall spannend durch die Arbeit hier einen Einblick in das Berufsfeld der Gastronomie zu bekommen, wobei ich aber auch froh bin, dass die Arbeit nur temporär ist , da ich meist von nachmittags bis Mitternachts arbeite und gerade am Wochenende, wenn viel Betrieb ist, der Beruf auch echt anstrengend ist. 

Neben dem Arbeiten bleibt aber auch noch genug Zeit um von der Stadt etwas zu sehen und die Natur zu genießen. Besonders schön fand ich den Nature Park hier in Richmond, wo Eichhörnchen und viele verschiedene Vogelarten zu sehen sind. 

Gerade an sonnigen Tagen bin ich aber auch immer wieder fasziniert die schneebedeckten Berge, die Vancouver umgeben zu sehen, die sonst bei bedecktem Himmel vollkommen in den Wolken verschwinden. 

Die Straße, in der ich jetzt erstmal lebe, ist direkt am „Highway to Heaven“ gelegen. Eigentlich heißt die Straße 5th Road, aber hier befinden sich sämtliche kirchliche Gebäude, die alle nebeneinander gelegen sind, sodass die Straße hier von den Einwohnern auch als Highway to Heaven bezeichnet wird.  
Mich fasziniert daran vor allem, dass es hier möglich ist, dass eine Moschee neben einem indischen Tempel und einer jüdischen Schule friedlich existieren kann, was gerade bei aktuellen Nachrichtenmeldungen über religiöse Kriege ein schöner Ausblick ist. 

Kanada und vor allem Vancouver sind auch sehr multikulturell geprägt. Gerade Asiaten sind hier sehr oft zu sehen, sodass neben Englisch und Französisch auch einige Schilder in Chinesisch zu finden sind. 

Nach langem hin und her überlegen hatte ich mich diese Woche dann auch dazu entschieden an einem meiner freien Tage hier in Kanada das erste Mal Ski zu fahren. Grouse Mountain, der von Vancouver in nur kurzer Zeit zu erreichen ist, ist ein sehr beliebtes Skigebiet, sodass ich für einen Tag ein Liftticket, einen Skikurs und die Skiausrüstung gemietet hatte. 

Nachdem ich dann in der Skistunde die wichtigsten Grundlagen zum stoppen, wenden und kontrollieren der Skier erhalten hatte, wagte ich mich an die erste Piste, die zwar die einfachste nach dem Idiotenhügel war, aber mit der nicht vorhandenen Vorerfahrung gerade das erste Mal doch steil und lang war. Im Laufe des nachmittags hatte ich dann aber immer mehr den Dreh raus und genoss es einfach durch den Schnee zu gleiten, einen wundervollen Ausblick auf Vancouver, das Meer und die umliegenden Berge zu haben und sogar den Sonnenuntergang noch vom Gipfel des Berges zu sehen. 

Zu meiner großen Verwunderung fror ich auch den ganzen Tag beim Skifahren nicht und zog mir überhaupt keine Verletzungen beim Hinfallen zu, wobei ich dazu sagen muss, dass es für Anfänger auf jeden Fall sinnvoll ist den Helm bei der Skiausrüstung mit zu buchen (ich hatte den aus Spargründen weg gelassen).

Das größte Problem hatte ich eigentlich beim Aufstehen.Nachdem man erstmal hingefallen ist, kommt man sich mit den langen Skiern ziemlich unbeholfen vor und fühlt sich so ein bisschen wie ein Käfer, der auf den Rücken gefallen ist und nicht mehr von alleine aufstehen kann, aber auch dabei hatte ich mich dann im Laufe des Tages besser gewöhnt. 

So bleibt mir von dem Skifahren auf jeden Fall ein tolles Erlebnis in Erinnerung und ein fieser Muskelkater, der wohl noch einige Tage bemerkbar sein wird. 

In den 3 Wochen, die ich jetzt schon hier in Kanada bin, hat sich viel um mich herum geändert und ich hab schon so einiges gesehen und erfahren. 

Eine dieser Erfahrungen ist auch, dass sich schnell ein Gefühl eines ZuHauses einstellen kann, sobald man durch eine Arbeit einen Alltag bekommt und man regelmäßig zum gleichen Umfeld und den gleichen Leuten zurück kommt. 

Februar 8

Kleines Mädchen auf großer Reise…

Am Dienstag den 31.01.2017 ging es dann um 4:15 los. Auf zum Hamburger Flughafen in Begleitung meiner Familie und meines Freundes. Dort angekommen war ich so nervös, dass ich mich mit dem großen Rucksack wirklich wie ein kleines Mädchen auf einer großen Reise fühlte, doch nachdem ich den Abschied am Flughafen überstanden hatte und auch durch die Sicherheitskontrollen durch war, wurde ich zunehmend gelassener und genoss den Ausblick auf die große weite Welt vom Flugzeug aus. 

Durch die Zeitverschiebung von 9 Stunden, war ich ,in Vancouver angekommen, ziemlich erledigt und sobald ich im Immigrationsbüro meine Arbeitserlaubnis stolz in den Händen hielt, wollte ich erstmal nur noch schlafen und so machte ich mich auf dem Weg zum Hostel. 

Nach dem Motto erst die Arbeit dann das Vergnügen erledigte ich am nächsten Tag erstmal alles Organisatorische und war stolz, dass ich 4 Stunden später eine kanadische Steuernummer, ein Konto und eine Prepaid SIM Karte organisiert hatte. Nachmittags machte ich mich dann auf dem Weg zum English bay, um bei herrlichstem Sonnenschein auch was von Vancouver zu sehen.

Mit diesem Sonnenuntergang ging dann der erste Tag in Vancouver für mich vorbei und ich fühlte mich in der Stadt sehr wohl. 

Eine weitere große Attraktion in Vancouver ist der Stanley Park, den ich am nächste Tag besichtigte, wobei man sagen muss das es mehr ein Wald in mitten der Großstadt ,als ein Park ist und so hat man nur mit ein paar Metern den Großstadttrubel hinter sich gelassen. 

Nach zwei wunderschön sonnigen Tagen in Vancouver folgte dann typisch kanadisches Wetter… Schnee. Wobei mir mehrfach erklärt wurde, dass Schnee im Februar für Vancouver total ungewöhnlich ist und in den Massen nur alle 8 Jahre mal vorkommt. 

Vom Hostel aus fing ich dann auch schon an mich um die Bewerbungen für einen Job zu kümmern, sodass ich gemäß der „walk in“ Methode einfach in die Geschäfte ging und mein Lebenslauf abgab, in der Hoffnung, dass dabei irgendwie ein Job rausspringt. 

Nachdem ich vier Nächte im Hostel verbracht hatte und durch den Jet Lack regelmäßige um 5 Uhr morgens wach wurde, machte ich mich auf den Weg zu Vince, den ich über die webside „couchsurfing“ kennengelernt hatte und bei dem ich netterweise für 3 Nächte übernachten konnte. An unserem ersten Abend nahm er mich dann zum Tanzen mit und so lernte ich einerseits noch sehr viele nette Leute kennen und wurde mit dem „East Cost Swing Dance“ vertraut gemacht. 

Die nächsten Tage verbrachte ich dann vorallem damit Parks in der Nähe von Vince‘ Haus zu besichten, von wo aus ich auch eine schöne Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Berge hatte.

 Eigentlich hatte ich geplant nach der Zeit bei Vince weitere 4 Nächte bei einem anderen Gastgeber von couchsurfing zu bleiben, da ich mich allerdings nachdem er das 4 Bier geleert hatte und anfing davon zu sprechen, dass er ja in ein Hotel mit mir fahren könnte nicht ganz sicher fühlte, machte ich mich am nächsten Tag direkt auf dem Weg. 

Glücklicherweise hab ich jetzt eine alleinerziehende Mutter gefunden, bei der ich kostenlos bleiben kann und mich im Gegenzug ab und zu mal um ihren Hund oder ihre Kinder kümmer. 

So hab ich in der ersten Woche festgestellt, dass das Reisen einfach planlos verläuft. Die eine Tür schließt sich, dafür öffnet sich eine Neue. Das ist auf jeden Fall die Freiheit und das Abenteuer beim Reisen. 

Januar 30

Auf die Plätze, fertig, los…

Nachdem der Januar und gerade die letzte Zeit an mir vorbeigerauscht ist und es bei allem noch „ein letztes Mal“ hieß, geht es jetzt wirklich los. Auf in das wilde Kanada! Auf nach Vancouver!

Schon von Deutschland aus, sicherlich auch zur Beruhigung meiner Eltern, hatte ich mir für die ersten 4 Nächte ein Hostel gebucht und anschließend eine Schlafgelegenheit für weitere 3 Nächte über couchsurfing organisiert.
Falls alle Stricke dann doch reißen sollten, habe ich immerhin noch Zelt, Isomatte und Schlafsack in meinem Gepäck und auch erfrieren werde ich bei einer Übernachtung draußen nicht, denn der Wetterbericht sagt für Vancouver ganze 6 Grad (+… ja es sind dort im Januar wirklich Plusgrade und eventuell sogar wärmer als in Deutschland!)
Ansonsten musste ich mich beim Packen dann doch eher beschränken, um alles in den Rucksack zu kriegen, aber mehr als 3 Paar Socken braucht man für ein halbes Jahr auch nicht unbedingt.
Es fühlt sich noch ein bisschen surreal an, dass die ganze Planung von Visum über Auslandskrankenversicherung, Handyvertrag, Outdoorausrüstung, sowie die ganzen Informationen über eine kanadische Steuernummer und die Eröffnung eines kanadischen Kontos, die ich im Internet recherchiert habe, nun zu Ende geht und die Reise wirklich anfängt.
So fliege ich also mit einem vollen Rucksack, einer prall gefüllten Reisekasse, sodass ich nicht zwingend darauf angewiesen bin schnell einen Job zu finden, und vielen schönen Erinnerungen an die Zeit mit Freunden, Familie und natürlich meinem Freund Sven los.
Da ich die ganze Reise eher nach dem Motto „Ohne Ziel aufzubrechen ist in jedem Fall spannender, als in ordentlicher Planung stecken zu bleiben“ angehe, ist meine Zeit in Kanada auch noch nicht wirklich vorgeplant.
In den ersten paar Tagen gibt es natürlich erst mal viel Organisatorisches zu erledigen und Vancouver zu erkunden.
Da der Winter nicht die beste Jahreszeit für Mehrtageswanderungen in Nationalparks ist, habe ich mir vorgenommen im Februar zu arbeiten und noch ein Skikurs in der Nähe von Vancouver zu belegen.
Danach steht in Sachen Planung erst mal ein großes Fragezeichen, aber gerade die Spontanität ist ja auch das Wertvolle an so einer Reise.
Inwieweit ich die jetztige Planung dann umsetzten kann, ob ich einen Job finde und was ich nach dem Arbeiten so mache, werde ich in den folgenden Beiträgen dann berichten und ich freue mich wenn ihr mich über diesen Blog ein bisschen bei meiner Reise verfolgt.