August 18

Home sweet home

Nach nur 1 ½ Wochen wieder zu Hause in Deutschland, fühlt sich meine ganze Zeit in Kanada schon wieder sehr weit weg und sehr surreal an. War ich wirklich für ein halbes Jahr weg? Genauso surreal haben sich aber auch die letzten Tage in Kanada angefühlt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen wieder zu Hause zu sein.
Je länger ich jetzt zu Hause bin, desto öfter frage ich mich, was sich wirklich langfristig geändert hat und wie ich mich durch meine Zeit in Kanada geändert habe…
Im Großen und Ganzen bin ich natürlich irgendwie die Gleiche… aber ich hatte einfach sehr viel Zeit darüber nachzudenken, wie ich leben will und was mich glücklich macht.
Die vielen beeindruckenden Einblicke, die ich durch couchsurfing erleben konnte, haben all diese Denkprozesse unterstützt. Ich konnte in so viele, sehr unterschiedliche Lebensentwürfe blicken und sehen wie all diese Menschen leben… für meine Reise war das definitiv bereichernd.
Ich habe noch sehr klar ein Gespräch mit meiner Couchsurferin Michelle vor Auge, indem ich ihr gesagt habe, das ich bewundere, wie sie in ihrem Alltag Arbeit, Sport, soziales Engagement, Musik, Familie und sogar noch couchsurfing alles unter einen Hut kriegt. Sie hat mir da nur geantwortet: „Naja ich liebe das, was ich in meinem Alltag mache, dann ist es auch nicht zu stressig und ich kann viel tun ohne mich selber dabei zu verlieren.“
Für mich war dieses Gespräch eines der wichtigsten in Kanada und es hat dazu geführt, dass ich anstrebe in meinem Leben genau das zu erreichen.
Ich will mit dem, was ich mache und wie ich bin glücklich und erfüllt sein, ohne mein persönliches Glück von anderen Menschen, oder von Erfolgen oder Zielen abhängig zu machen. Wie viele Menschen sagen doch, wenn ich das und das habe, bin ich glücklich. Aber ich denke gerade dieses Streben nach dem Glück führt dazu, dass man sich selbst verliert. Ich hatte in Kanada viel Zeit mich auf mich zu besinnen und einfach zu schätzen, was ich in dem Moment hatte, ohne mehr zu verlangen. Man kann auch mit ein paar Klamotten und nur ein bisschen Campingausrüstung im Rucksack sehr glücklich sein. Das einzige was mir gefehlt hat, waren ab und zu Umarmungen und gute Freunde oder die Familie, die mich kennen und unterstützten.
Ich habe in Kanada gelernt, Leuten zu vertrauen und über persönliche und bewegende Sachen zu sprechen, auch wenn ich sie erst für ein paar Stunden kannte. Es ist unglaublich, wie viele Leute sich einem öffnen und wie schnell ich eine Verbindung zu Leuten aufbauen konnte. Ein bisschen Schade war es dann immer wieder, wenn ich nach tollen Begegnungen mich von Leuten verabschieden musste und eigentlich wusste, dass ich sie höchstwahrscheinlich nie wieder in meinem Leben sehen werde. Manchmal bleibt einem halt nur die Erinnerung an den Moment!
Für ein halbes Jahr alleine zu reisen, heißt natürlich auch, komplett für sich alleine zu sorgen und sich allein zu organisieren, sich aus dem bequemen Rahmen von zu Hause wegzubewegen und Selbstverantwortlich zu sein. Diese Erfahrungen und das Vertrauen, dass ich all das für mich selbst geschafft habe, lässt mich jetzt auch viel ruhiger und unbesorgter in einen eigenen Alltag blicken…
Vor meiner Reise hatte ich das Ziel mich mal von allem Komfort zu Hause wegzubewegen und ein bisschen in ein Abenteuer zu starten.
Jetzt, ein halbes Jahr später, würde ich sagen, ich habe das Ziel erreicht und noch so viel mehr gelernt. Wie viel ich wirklich gelernt habe, werde ich vielleicht auch erst mit der Zeit feststellen.

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Juli 30

Ein sonniger Abschied…

Nach über 19 Stunden Busfahrt von Banff nach Vancouver stellte ich mal wieder fest, dass das Reisen neben den vielen schönen und bereichernden Erfahrungen auch anstrengend sein kann. Tabea und ich hatten wieder einmal das Problem einen Schlafplatz  zu finden, da in Vancouver sämtliche Hostels ausgebucht waren. Wir sind dann kürzlich noch bei einem Couchsurfer untergekommen, der sehr offensichtlich sehr bekifft war, aber da wir nicht wirklich eine andere Option hatten und der Typ ansonsten auch ganz nett war, blieben wir für eine Nacht. So sehr ich Kanada und das Reisen auch genieße, merke ich jetzt einfach, dass es Zeit wird wieder nach Hause zu gehen und dort mit dem Studium meinen neuen Lebensabschnitt zu starten. 

Nachdem ich mich von Tabea verabschiedet hatte, blieb ich noch für weitere vier Tage in Vancouver bei Michelle, einer Couchsurferin, die ich im April kennengelernt hatte. Die Zeit bei ihr war definitiv eine sehr wertvolle für mich. Ich hatte nach längerer Zeit einfach mal wieder den Komfort einer Dusche und einer Couch und konnte mich von der langen Busfahrt erholen. 

Da ich Vancouver schon im Winter gesehen hatte und einiges kannte, verbrachte ich auch mehr Zeit mit Michelle und ihrer Familie und Freunden und weniger mit Sightseeing. Es hat mich unglaublich berührt wie Michelle mir so viele unterschiedliche Teile ihres Lebens gezeigt hat und ich habe mich auch mehr wie eine Freundin gefühlt ,als wie eine Couchsurferin. 

Ich hatte mir dann überlegt, dass ich meine letzte Woche in Kanada noch etwas ruhiger verbringen will, um für mich die Reise abschließen zu können, sodass ich von Vancouver aus eine Fähre nach Salt Spring Island nahm. Das ist eine kleinere Insel zwischen dem Festland und Vancouver Island. Über couchsurfing fand ich dann für 6 Nächte eine nette Frau bei der ich mit auf ihrem Grundstück campen konnte. Zusammen mit ihrem Sohn campte sie auch während der Sommermonate und so konnte ich in ihrem Gastzelt übernachten, morgens eine Dusche unter freiem Himmel im Wald haben und ein bisschen das Hippie-Leben mit ihr auf Salt Spring Island genießen. Weil ich ihr gerne etwas für ihre Großzügigkeit und Gastfreundschaft zurückgeben wollte, passte ich zwischendurch immer mal wieder für ein paar Stunden auf ihren kleinen 5 jährigen Sohn auf. 

Der Einblick in dieses sehr freie Hiipie-Leben war sehr berreichernd und ich  genoss es total. Die Leute hier sind alle sehr aufgeschlossen. Trampen ist auf der Insel ganz normal und ich musste auch nie länger als 5 min warten. Allgemein wird hier ein friedliches und vertrauensvolles Leben geführt und viel auf die Natur und die Tiere geachtet, sodass es überall auf der Insel Bio-Farmen gibt. 

Für mich war Salt Spring Island ein wunderbarer Platz um meine Reise für mich abzuschließen und zu reflektieren,was sich in dem letzten halben Jahr für mich verändert hat und inwiefern es mich weitergebracht hat. Um den Rahmen dieses Artikels nicht komplett zu sprengen und um die richtigen Worte für die ganzen Erfahrungen der Reise zu finden, werde ich hierüber aber noch in einem separaten Artikel schreiben wenn ich dann wirklich wieder in Deutschland bin. Momentan bin ich noch im Flugzeug und fliege gerade über das Hudson Bay…

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Juli 13

Von Feuerwerken und Feuer 

Der letzte Monat in Kanada hat für mich in Banff mit der Feier des „Canada Day“ angefangen und war gleichzeitig auch mein letzter Tag hier. Da dieses Jahr sogar noch das 150-jährige Jubiläum Kanadas war, wurde der Tag noch größer gefeiert. Am Vormittag gab es eine Parade und alle Menschen waren in den Farben rot und weiß oder mit einem Ahornblatt bekleidet. Zusammen mit Tabea, mit der ich auch am nächsten Tag weiter nach Jasper reisen wollte, genoss ich die Feier und am Abend noch das Feuerwerk.

 Da natürlich sämtliche Unterkunftsräume für den Canada Day ausgebucht waren und ich auch meinen Raum verlassen musste, schlief ich die Nacht einfach zusammen in einem Hostelbett mit Tabea, was weiter auch keinem auffiel. Von Banff aus trampten wir dann weiter.  In Kanada ist es auch nicht sonderlich schwer eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Vorallem nicht als zwei junge Mädchen mit riesigen Rucksäcken. Nach ungefähr einer Stunde hatten wir dann ein deutsches Ehepaar gefunden, welches uns freundlicherweise in ihrem Wohnmobil mitnahm. Angelika und Reiner waren auch sehr nett und dadurch, dass sie an jedem Sightseeingspunkt entlang der Straße anhielten, hatten wir die Möglichkeit all diese Naturschönheiten zu sehen an denen ein Bus nie angehalten hätte. Allgemein führte das zwar auch dazu, dass wir erst einen Tag später in Jasper ankamen als geplant, aber da nichts und niemand in Jasper wartete, war das auch problemlos. 

In Jasper angekommen hatten wir uns dafür entschieden zu einem backcountry Campingplatz zu wandern. Backcountry heißt in dem Fall nur, dass es ein Campingplatz ist, der nur zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Pferd erreicht werden kann. Ein richtiger Campingplatz war es in dem Sinne auch nicht, weil wir weder Wasser noch Sanitäranlagen hatten. So wurde unsere erste Nacht in Jasper und auch die Wanderung in der Wildnis abenteuerlich und durch eine weitere Begegnung mit einem Bären, der diesmal nur 1 m entfernt war, gekrönt. Das einzig nervige an unser backcountry Erfahrung, die sich über drei Wandertage streckte, waren dann die Mosquitos. Sehr sehr aggressive Mosquitos, die den ganzen Tag erbarmungslos zustechen. Wir konnten auf unserer Wanderung durch diese Plage nichtmal eine Trinkpause machen. Jede Minute stehen bleiben, bedeutete 10 neue Stiche. Wir beide haben irgendwann aufgehört mitzuzählen, hatten am Ende aber jeder an die 60 Stiche und waren dann geradezu erleichtert im Ort anzukommen und der Plage ein bisschen zu entgehen. 

Da wir beide es sehr genossen nach einer längeren Zeit alleine mal mit jemandem zusammen zu reisen und uns auch echt gut verstanden, entschieden wir auch weiterhin zusammen zu bleiben und so verwarf ich den Plan nach Edmonton oder Calgary zu fahren, was eh nur große Städte wären. Wir buchten stadtdessen nach gut Glück und ohne einen wirklich konkreten Plan einen Bus von Jasper nach Kamloops, was wieder etwas westlicher in Kanada liegt. 

Da der Bus um 5 Uhr morgens fuhr, dachten wir uns wir sparen uns die Übernachtungskosten  und machen einfach die Nacht durch.  Der Mac’s, der 24 Stunden auf hat und wo der Kaffee günstig und das Nachfüllen vom Kaffee sogar noch günstiger war, kam uns da sehr entgegen.   Der Bus nach Kamloops hatte leider eine 1 1/2 stündige Verspätung und so langsam konnte der Koffein die Müdigkeit nicht mehr Verhindern. Auf dem Weg Richtung Kamloops erfuhren wir dann auch den Grund der Verspätung. Waldbrände ! Es ist unbeschreiblich wie weit sich der Rauch hier in Kanada verteilt. Im Umkreis von 500 km kann der Rauch sich ausbreiten und die Umgebung vernebeln. Allerdings konnten wir sogar vom Bus aus einige Flammen im Wald erkennen. 

In Kamloops angekommen war dann von den umliegenden Bergen wenig zu sehen und auch die Stadt gefiel uns nicht sonderlich. Kurzerhand gingen wir über den Campingplatz und fragten andere Camper, ob sie zufällig weiter östlich fahren und noch zwei Plätze frei hätten. Unser Plan ging auf und wieder war es eine deutsche Familie, die uns in ihrem Wohnmobil bis nach Revelstoke mitnehmen konnte. Zusammen mit der Familie unternahmen wir noch eine Wanderung auf Mount Revelstoke, der in einigen Teilen sogar noch mit Schnee bedeckt war. Nach zwei weiteren Tagen in Revelstoke auf dem Campingplatz geht es jetzt noch weiter östlich nach Golden und da unsere Taktik letztes Mal so gut aufgegangen war, gingen wir wieder über den Campingplatz und fragten uns nach einer Mitfahrgelegenheit durch. 

Unser Ziel ist dann für den 17 Juli wieder Banff, wo wir noch unseren letzten Paycheck von der Arbeit abholen müssen, bevor wir dann den Bus nach Vancouver nehmen und Tabea und ich uns erstmal trennen müssen, da ihr Flug nach Deutschland schon am 19. Juli geht. Ich habe dann noch ein paar letzte Tage in Kanada, bevor auch ich das Flugzeug nehme. 

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Juni 27

Bären und Kater

Je länger ich hier im Nationalpark bin, desto mehr werden mir hier die krassen Gegensätze bewusst. 

Auf der einen Seite bin ich mitten in der Natur, habe mittlerweile schon 7 Bären gesehen und gewöhne mich langsam an das Wildleben hier. Es scheint mir sogar des öfteren so, als dass nicht die Menschen hier die Regeln vorgeben, sondern die Tiere, da man des öfteren Wanderungen abbrechen muss oder Wege aufgrund der Bärenaktivität gesperrt sind. Und ich bin auch sehr froh darüber, dass ich hier an einem Ort bin, wo den Tieren zuliebe den Menschen Grenzen aufgezeigt werden. 

Auf der anderen Seite ist Banff für das Partyleben und den regen Tourismus bekannt. Gerade die Einheimischen feiern hier eher am Sonntag, so das er auch als „Sunday Funday“ bekannt ist und ich öfters gefragt werde was ich für den Abend vorhabe. 

So hab ich hier auch das erste Mal eine kanadische Party miterlebt, die sogar noch von meinem Arbeitgeber veranstaltet wurde. Mit sämtlichen Mitarbeitern hab ich somit im Restaurant gefeiert. Auch wenn die Kanadier was Alkohl angegeht etwas strenger sind, wurde auf der Feier ähnlich gebechert wie in Deutschland und am nächsten Arbeitstag hatte die Hälfte der Mitarbeiter einen Kater. 

An einem meiner freien Tage bin ich als Tagesausflug dann auch nach Lake Louise gefahren, was wohl einer der bekanntesten Orte in den kanadischen Rockies ist. Der See ist vorallem für seine wunderschöne türkisblaue Farbe bekannt, die durch das Schmelzwasser der Gletscher zustande kommt. Da ich an einem wunderschönen Sommertag am Lake Louise war, war der See nur so mit Touristen überfüllt, die natürlich alle ein Selfie vor dem See haben wollte und mir war der Trubel eindeutig zu viel. So bin ich bei einer Wanderung ein bisschen dem Trubel entkommen und hoch zu einem weiteren See gewandert auf dem sogar noch etwas Eis und umliegender Schnee zu sehen war. Ich hatte an dem Tag auf jeden Fall das Gefühl die schönen Farben der Seen nicht auf meinen Fotos einfangen zu können. 

Da Banff auf einer Höhe von 1400 m liegt, kann das Wetter hier von dem einen auf den anderen Tag auch komplett umschlagen, sodass ich an einem Mittwoch noch 30 Grad genoss und am Samstag wieder Neuschnee in den Bergen lag, was zwar durchaus beeindruckend war, aber dennoch wollte ich einfach keinen Schnee mehr im Juni! 

Meine bisher größte Wandertour in Banff hab ich jetzt erst gestern mit zwei anderen deutschen Reisenden unternommen. Die 11 stündige Wandertour führte uns auf den Mount Roundle. Während der Anfang des Weges  noch angenehm durch den Wald führte und die Steigung durch die Serpentinen sehr erträglich war, wurde der Weg nachdem wir die Baumgrenze überwunden hatten eine echte Zumutung. Ehrlich gesagt gab es auch keinen richtigen Weg mehr. Der Anstieg ging jetzt nur über Geröll, Schotter und lose Steine und so dachte man im ein oder anderen Moment echt komplett abzuschmieren. Die ganze Mühe hat sich allerdings sehr bezahlt gemacht. Auf dem Gipfel angekommen, komnten wir bestauen wie der Berg einfach als senkrechte Bergwand steil bergab ging umd durch den gigantisch starken Wind, der da oben (2945m) wehte, taten wir besser daran uns hinzusetzen, um Unfälle zu vermeiden.

Jetzt ist mein Monat hier in Banff schon fast wieder vorbei und definitiv sehr schnell vergangen. Ich hab sowohl die Arbeit als auch die Freizeit hier genossen und bin froh darüber meine ursprünglichen Pläne geändert zu haben. Meine Zeit hier in Kanada neigt sich nun auch immer mehr dem Ende zu und so ist mein letzter Monat eher wieder etwas durchgeplanter. Nachdem ich am 1. Juli noch den „Canada Day“ hier in Banff feiern will, habe ich mir überlegt zusammen mit einer anderen deutschen Backpackerin, die ich auf der Arbeit kennengelernt habe, nach Jasper zu fahren und so nochmal im Jasper Nationalpark zu campen. Anschließend will ich mir noch die Städte Edmonton und Calgary angucken, bevor es für mich dann wieder nach Vancouver geht…

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Juni 8

Zuhause im Nationalpark…

Mein erster Gedanke als ich hier in Banff im Nationalpark mit dem Bus angekommen bin, war : Kanada wie aus dem Bilderbuch. Die schneebedeckten Berge der Rocky Mountains, Nadelwälder und unglaublich viele türkis blaue Gletscherseen und Flüsse. Genau so wie man sich Kanada halt vorstellt und definitiv sehr beeindruckend. 

Von der Landschaft noch völlig überwältig bin ich dann erstmal in die Touristeninformation gegangen, um mich über Mehrtageswanderungen und das Campen im Nationalpark zu informieren. Das Resultat war allerdings eher ernüchternd, da mir erklärt wurde, dass in den höheren Lagen dieses Jahr einfach noch zu viel Schnee liegt und daher einige Campingplätze  und vorallem Wege noch geschlossen sind und so hat mir die Frau dann eher davon abgeraten hier Mehrtagestouren zu machen… So werden mal wieder ursprüngliche Pläne verworfen und neue müssen her. Nachdem ich meine Sache im Hostel abgeladen habe und ein bisschen durch die Straßen in Banff gebummelt bin, bekam ich aber das Gefühl, dass ich hier gerne etwas länger bleiben möchte. Banff ist ein kleiner Ort mitten im Nationalpark, der vor allem im Sommer vom Tourismus lebt. Und so hat es auch nur einen Tag gebraucht bis ich neue Pläne hatte. Auf gut Glück bin ich hier in Banff wieder in eine Old Spaghetti Factory gegangen und hab mich wieder als Busser beworben. Nach circa 5 min hatte ich den Job ohne ein richtiges Vorstellungsgespräch, da ich bereits die Erfahrungen als Busser in der anderen  Old Spaghetti Factory gesammelt hatte. Danach hab ich mich dann nach einer Unterkunft in Banff umgesehen, was definitiv der schwierigere Part war. Da man im Nationalpark nicht mal eben so neue Häuser bauen kann ,ist der Platz begrenzt und die Angebote alle sehr teuer. Glücklicherweise habe ich jetzt aber für einen Monat ein Raum bei einem Ehepaar mieten können… und so kann ich jetzt sagen, dass ich im Nationalpark wohne. Ein tolles Gefühl. Mein erstes Zimmer was ich miete und dann gleich in so einer Umgebung. 

Mein improvisierter Plan für den nächsten Monat sieht jetzt also so aus, dass ich drei Schichten in der Woche arbeite ,um mir die Unterkunft zu leisten und die restlichen Zeit mit Tageswanderungen und Ausflügen im Nationalpark verbringe. 

Meine ersten Wandererfahrungen habe ich dann zusammen mit einem Arbeitskollegen Rik gemacht. Während wir uns munter unterhalten haben und die Landschaft genossen haben sind wir dann plötzlich durch ein kratzendes Geräusch abgelenkt worden, wo wir ungefähr 10 m neben uns zwei kleine Bären sahen, die gerade versuchten einen Baum hochzuklettern. So niedlich das jetzt auch klingen mag, zu spaßen ist mit so einer Situation dann eher nicht, da die Bärenmütter sehr aggressiv werden können und so haben wir uns dann schleunigst auf den Rückweg gemacht…Wir hatten beide nämlich weder Erfahrung mit so einer Situation noch Bärspray dabei.Es gibt also leider keine Fotos von dem Bären, aber im Nachhinein ist es beeindruckend, dass ich schon an meinem zweiten Tag im Nationalpark Bären gesehen habe. Wirklich Angst hatte ich nicht, aber großen Respekt definitiv! 

Auch in den folgenden Tagen bin ich so dem ein oder anderen wild lebenden Tier begegnet. Vor allem Elche sieht man hier viel und so bin ich doch sehr froh darüber, dass ich meine Pläne geändert habe und wenigstens nicht die ganze Zeit alleine wandere. Von der Arbeit aus werden sogar manchmal Wanderungen unter die Mitarbeiter organisiert. 

Auch wenn Banff als Ort selber relativ voll ist, vorallem von Touristen, muss man sich nur ein paar Minuten von der Hauptstraße wegbewegen und schon ist man komplett alleine in grüner Natur und kann den Trubel komplett hinter sich lassen. 

Neben den Wanderungen, die ich bisher alleine oder mit Rik gemacht habe, habe ich hier in Banff außderdem die Hot Springs besucht. Heutzutage sind sie allerdings eher als eine Art Pool ausgebaut und das Wasser ist bis zu 39 Grad warm. Nach langen Wanderungen sind die Hot Springs aber genau der richtige Ort um zu entspannen und die Seele ein bisschen baumeln zu lassen. 

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Mai 24

Summerfeeling in Kanada…

Von Penticton aus habe ich mich also weiter südlich mit meinem Rad und meinen 7 Sachen auf den Weg gemacht, wobei ich an vielen Seen und Weinbergen vorbeigefahren bin und meistens auch das Glück hatte bei strahlendem Sonnenschein zu fahren.

Trotz dieser guten Grundvorraussetzungen wurde mir das Fahrrad fahren vor allem durch zwei Dinge erschwert. Einerseits war das ein sehr starker Gegenwind über einige Fahrtage hinweg, sodass ich zeitweilig das Gefühl hatte mit meinem Rad und meinem großen Rucksack auf dem Rücken gar nicht wirklich von der Stelle zu kommen. Und andererseits hat sich die eher geringe Qulität meines Fahrrads dann durch einen Platten bemerkbar gemacht. Mitten zwischen zwei Orten und spät am Nachmittag. So beschloss ich einfach direkt neben dem Fahrradweg an einem Fluss mein Zelt aufzubauen. Es braute sich nämlich auch gerade ein Gewitter zusammen und ich wollte ungern nass werden. Das Problem Platten verschob ich also mit dem Motto Prokrastination auf den nächsten Morgen. 

So verbrachte ich den nächsten Vormittag damit mein Fahrrad am Highway entlang zu schieben, auf dem Weg zum nächsten Ort Osoyoos. Und wie das auf meiner Reise öfter der Fall ist, nach ein bisschen Pech hab ich dann wieder Glück. Das bestand diesmal darin, dass ich von anderen Fahrradfahrerinnen am Highway aufgelesen wurde und sie mir mit Werkzeug und Flicken holfen mein Rad zu reparieren. Als ich das erledigt hatte und mich eigentlich auf die Suche nach einem Hostel in Osoyoos machen wollte, traf ich eine Frau, die mir zwar sagte das es kein Hostel in Osoyoos gibt ,ich aber bei ihr übernachten könne. Ich bin immer wieder aufs neue von dieser Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Kanadier beeindruckt. 

So verbrachte ich in Osoyoos ein paar schöne Tage in Gesellschaft von Trudy und Marvin, machte einen Tagesausflug in die USA, sodass ich jetzt neben dem kanadischen Stempel noch einen aus der USA in meinem Visum habe und gönnte mir eine Weinprobe, bei der ich mich durch 5 verschiedene Weinsorten durchprobieren konnte. 

Auf dem Rückweg von Osoyoos nach Kelowna wollte ich diesmal entlang der westlichen Seite des Okanagan Lakes fahren, sodass ich durch die kleinen Orte Summerland und Peachland fuhr. Die gute Laune, die beim Fahrrad fahren entlang des Sees bei sommerlichen 25 Grad aufkam wurde zwischendurch zwar durch einen zweiten Platten und ein Fahrradschloss ,dass absolut nicht mehr zu öffnen war und somit aufgebrochen werden musste um weiterzufahren, getrübt, aber ich bin alles in allem sehr froh mich dafür entschieden zu habe hier mit dem Rad zu reisen. Ich bin dadurch einfach mit so vielen Einheimischen ins Gespräch gekommen, was nicht möglich gewesen wäre, wenn ich den Bus oder das Auto genommen hätte. 

So habe ich die Gelegenheit auf meiner Reise nicht nur neue Landschaften zu erkunden, sondern auch mit den verschiedensten Menschen in Kontakt zu kommen. Das Reisen kann also in mehreren Hinsichten auch Lernen sein. 

Nach nicht ganz wenig Ärger mit dem Fahrrad bin ich dann jetzt auch froh das meine Fahrradtour im Okanagan Valley wieder in Kelowna endet und ich das Fahrrad verkaufe, bevor ich mich in den nächsten Tage in Richtung Banff Nationalpark auf den Weg machen werde.

 

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Mai 11

Auf den Spuren des Kettle Valley Trails…

Nach Vancouver Island und dem Regenwald hat es mich jetzt in eine landschaftlich ganz andere Region Kanadas verschlagen. Das Okanagan Valley, was ungefähr 4 Fahrstunden östlich von Vancouver liegt, allerdings immer noch in der westlichesten Provinz Kanadas (British Columbia) gelegen ist. Das Okanagan Valley ist vor allem für das warme Klima und dem damit verbundenen Anbau von Wein und Obst bekannt. (Ja … auch in Kanada wird Wein angebaut). ..

So bin ich also nach 7 1/2 Fahrstunden und der Nacht im Bus am nächsten Morgen in Kelowna angekommen. Kelowna ist die größte Stadt hier im Okanagan Valley, trotzdem aber einigermaßen überschaubar. Ich hatte mir relativ spontan überlegt, dass ich das Okanagan Valley mit dem Fahrrad erkunden will, sodass ich noch am selben Tag in einen kanadischen Baumarkt ging und mir für umgerechnet 70 € ein günstiges Fahrrad kaufte. Ein richtiges Schnäppchen, wenn man überlegt das es an die 20 € kostet ein Fahrrad für einen Tag zu mieten.
Nun bin ich also stolze Besitzerin eines Mountain Bikes und damit relativ mobil.

Nachdem ich noch ein paar Tage bei den Verwandten meiner lieben Freundin Tina in Kelowna verbracht habe, ging dann auch die Fahrradtour auf dem Kettle Valley Trail (einer ehemaligen Zugstrecke) los.

Von Kelowna bis in die nächste Stadt Penticton war ich 80km auf dieser Route unterwegs, was vorallem dadurch verlangsamt wurde, dass der Schnee in den Bergen erst jetzt zu schmelzen begonnen hatte und ich mich daher durch viele überschwemmte Gebiete kämpfen musste. Irgendwie hat das Wetter hier in Kanada sich überlegt sich mir von einer sehr untypischen Art zu zeigen. Im Winter der Schnee in Vancouver, was schon sehr ungewöhnlich ist und nun die Überschwemmungen im Okanagan Valley, was auch seit 15 Jahren nicht mehr der Fall war…
Anfangs hatte ich noch den Ehrgeiz trockene Schuhe und Socken zu behalten, was irgendwann allerdings einfach nicht mehr möglich war und als mein Fahrrad mitsamt meinem kleinen Rucksack, indem sich natürlich die Elektronikgeräte und mein Portmonee befanden, ins Wasser umkippte, machte ich mir wenigstens auch um die nassen Socken keinen Kopf mehr.
Da ich durch meinen großen Rucksack den ich beim Fahrrad fahren auf dem Rücken tragen musste auch nochmal langsamer war, machte ich auch meine ersten Wildcamping Erfahrungen hier in Kanada, und war dann auch sehr froh nachts nicht von einem Bären geweckt zu werden.

Am darauffolgenden Tag hatte ich die schlechtesten Abschnitte des Weges bereits hinter mir und von nun an ging es stetig bergab, was definitiv meine Laune für meine Tour wieder steigerte und so konnte ich die zweite Nacht Wildcampen, durch eine wunderschöne Aussicht auf den See und ein Becher Wein, den mir andere Wildcamper spendierten, mehr genießen.
In Penticton angekommen quatierte ich mich dann erstmal für zwei Tage in einem Hostel ein, um meine ganzen Sachen wieder zu trocknen, bevor ich meine Fahrradtour jetzt weiter südlich in Richtung der Grenze zu den USA fortsetze. Entlang Seen, Weinbergen und Obstgärten…

April 24

Into the rain (forest)…

Nach knapp 4 Wochen auf Vancouver Island, habe ich Kanada das erste Mal so richtig von einer wilderen und naturgeprägteren Seite kennengelernt. Schon auf der Busfahrt von Victoria nach Ucluelet war ich beeindruckt von der Landschaft und davon das man einfach mal so 2 Stunden durch einen Nationalpark fährt, wo nichts ist außer Bergen,  Seen und Regenwald. Gerade wenn man aus einem eher dicht besiedelten Land wie Deutschland kommt, ist es beeindruckend so viel unbebaute und unberührte Natur zu sehen. 

In Ucluelet, einem kleinen Fischerdorf an der Westküste der Insel, habe ich dann meine ersten Campingerfahrungen in Kanada gemacht, die vorallem sehr regnerisch und doch noch ziemlich kalt waren. Allerdings hatte der Campingplatz ein Sauna, in der ich mich nach kalten Nächten gut aufwärmen konnte. Das Campen hier in Kanada ist sowieso etwas anders als in Europa. So musste ich zum Beispiel mein Essen während der Nacht ins Büro bringen, damit die Bären nicht angelockt werden. 

Bei dem Regen und dem ungemütlichen Wetter war es dann auch sehr schön mit ein paar Kanadiern am Lagerfeuer zu sitzen, sich am Feuer aufzuwärmen, zu plaudern und ein bisschen kanadisches Bier zu genießen. 

Die Gegend um Ucluelet und Tofino ist vor allem für ihre vielen Stände, an denen häufig Wale zu sehen sind, und den gemäßigten Regenwald bekannt. 

Ich hab zwar keine Wale gesehen und auch davon abgesehen eine whale watching Tour zu buchen, da ich den Tieren ihren Freiraum lassen will, aber dennoch war ich bei den Wanderungen entlang der Stände doch sehr davon beeindruckt zu sehen und zu hören, mit welcher Kraft die Wellen gegen die Felsen prallen.

Auch der Regenwald und der damit verbundene Regen, der sich mir in vollem Maße gezeigt hat, ist beeindruckend. Die meisten Bäume sind von Moosen bewachsen und somit vollkommen in Grün gehüllt und auch die Größe der Bäume ist sehr gigantisch, sodass ich mich daneben noch kleiner gefühlt habe. 

Neben den Pflanzen bietet Vancouver Island noch eine große Anzahl an wilden Tieren und so konnte ich zwar keine Wale sehen, aber einen Adler aus nächster Nähe. (Der gute wollte sich leider nicht fotografieren lassen) Adler sind für die Einheimischen hier allerdings nichts mehr besonderes, sondern eher so normal wie die Amsel in Deutschland. 

Von dem kleineren Ort Tofino ging es für mich dann in die etwas größere und sonnigere Stadt Nanaimo, die an der Ostküste von Vancouver Island gelegen ist. Hier konnte ich noch so einige schönere Wanderungen um Seen und durch Parks unternehmen und hab auch meinen Ostersonntag beim gemeinsamen Abendessen und anschließendem Bier mit anderen Deutschen aus dem Hostel verbracht. ( Es ist wirklich unglaublich wie viele Deutsche man in den Hostels von Kanada antrifft) 

Von Nanaimo ging es dann etwas ungeplant wieder nach Victoria zurück, wo ich jetzt noch bis Ende April bleiben werde um meinen letzten paycheck von der Arbeit abzuholen. Die Kanadier haben es irgendwie nicht so mit Überweisungen, das wäre wahrscheinlich zu einfach… 

Nach dem ersten Monat den ich jetzt wirklich am Rumreisen bin, stelle ich doch immer wieder fest, dass sich so eine Reise schwer planen lässt und so hab ich das aufgegeben und gucke momentan eher so von Tag zu Tag, was ich mache und wohin es als nächtes geht. 

‚Going with the flow‘ nenne die Kanadier das. 

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April 7

Backpackerfeeling

Nachdem ich jetzt für gute 6 Wochen gearbeitet habe und bei Jamie gewohnt habe, habe ich immer mehr gemerkt, dass es Zeit wird weiterzureisen beziehungsweise das Reisen so richtig zu starten. Also hatte ich am Sonntag den 02. April meine letzte Schicht, die mit einem Weißwein, den mir der Bar Manager spendiert hat, beendet wurde. Weil ich dann in einer sehr angedüdelten Stimmung anmerkte, dass der Weißwein sehr gut ist, schenkte er mir gleich die ganze Flasche und ich war zusammen mit der herzlichen Umarmung, die er mir zum Abschied gab einfach ziemlich gerührt. Der Abend ging dann noch damit weiter, dass ich mit ein paar von den Kellnern und einer Managerin Pizza essen ging, wobei ich freundlicher Weise auch noch eingeladen wurde. So war das auf jeden Fall ein gelungener Abschied von meinen Mitarbeitern und dem Arbeiten in Kanada.

Von nun an heißt es für mich nur noch reisen, die Natur erkundschaften und nette Leute kennenlernen.

 Da sich irgendwie doch so einiges anhäuft wenn man länger an einem Ort ist und ich durch die Arbeit bedingt auch schwarze Klamotten kaufen musste, musste ich erstmal wieder ein paar Sachen loswerden und den Rest wieder in meinen großen Rucksack stopfen, wobei mein backpacker feeling  wieder so richtig aufgekommen  ist und es sich auch sehr befreiend anfühlen kann mit wenig Sachen zu reisen.

Alles im Rucksack verstaut ging es dann von Richmond zum Fähranleger in Tsawwassen und von da mit der Fähre nach Vancouver Island, wo ich dann nochmal den Bus nach Victoria nehmen musste. 

Obwohl ich noch nicht lange auf der Insel bin, gefällt sie mir jetzt schon sehr gut und ich bin einfach von der Natur hier sehr beeindruckt.

Mitten in der Stadt wachsen beeindruckend große Bäume oder ragen ein paar Felsen aus dem Boden und auch das Gras hat einen so hellen  und schönen  Grünton. Schon an meinem ersten Nachmittag in Victoria hatte ich das Glück als ich an der Küste entlang gegangen bin eine Seerobbe zu sehen und das obwohl ich nur 15 Minuten von der Innenstadt entfernt war. Tiere, Natur und Menschen sind hier nochmal ganz anders vereint. 

Nach zwei Nächten im Hostel machte ich mich für weitere zwei Nächte auf den Weg zu meiner Couchsurferin Tamar, die zwar ebenfalls in Victoria wohnt, allerdings am ganz anderen Ende der Stadt. Da ich sowieso mal ausprobieren wollte wie es ist eine längere Strecke mit dem Rucksack zu gehen und das Wetter mal wieder besser war als erwartet, ging ich die 10km zu Fuß und hatte richtig gute Laune während ich mit meinem Rucksack und guter Musik durch die Straßen stapfte. 

Bei Tamar angekommen, war ich dann mal wieder von so viel Gastfreundschaft und Vertrauen beeindruckt. Als ich ankam war keiner zu Hause, aber sie hatte mir erklärt, dass ich einfach durch die Hintertür ins Haus gehen kann  und das obwohl sie mich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht kannte. 

Es war einfach grandios für zwei Nächte ein eigenes Zimmer mit einem Bett und sogar ein eigenes Bad zu haben. Das ist für mich gerade einfach Luxus. Auch mit Tamar habe ich mich super verstanden und wir hatten uns trotz einem Altersunterschied von fast 40 Jahren viel zu erzählen, sodass unsere Gespräche von Politik über Nachhaltigkeit und natürlich Reisen reichten. Ich habe mich bei ihr so wohlgefühlt  (sie hat sich sogar scherzhaft  meine kanadische Mutter bezeichnet), dass es fast schade war nach 2 Tagen schon wieder zu gehen. 

Auf der anderen Seite bin ich natürlich auch total gespannt auf Ucluelet und Tofino, wo der Bus mich gerade hinkutschiert. Hin zum Regenwald, zu Stränden, wo ich vielleicht die Möglichkeit habe einen Wal zu sehen und hin zu ein bisschen mehr Wildnis. 

März 16

Von Loonie’s und Toonie’s… 

Da Work & Travel ja nicht nur aus Reisen, sondern wie der Name schon sagt auch aus Arbeiten besteht, habe ich gedacht schreibe ich mal einen Blogeintrag über meine Arbeit und den Alltag hier. 

Ich arbeite jetzt seit ungefähr 4 Wochen in der Old Spaghetti Factory und bin sehr froh, dass ich nach den ersten drei Schichten als Tellerwäscher als Busser weiterarbeiten durfte.

Auch diese Arbeit ist nicht besonders kompliziert, nur körperlich anstrengend. Eigentlich besteht meine Hauptaufgabe darin, durch das Restaurant zu gehen, das benutzte Geschirr aufs Tablett zu räumen, dass dann zu den Tellerwäschern zu bringen und anschließend den Tisch abzuwischen und neu mit Messern,Gabeln und Löffeln einzudecken. Dabei lernt man dann auch wie man 30 Messer,Gabel und Löffel in einer Hand halten kann, was mich jetzt zwar nicht wahnsinnig bereichert, aber sicherlich mal ganz nützlich sein kann. 
Bei der Arbeit bin ich dann doch auch immer wieder aufs Neue erstaunt, wie die Gäste es schaffen innerhalb von kürzester Zeit die Spaghetti und ihr sonstiges Essen überall  im Restaurant zu verteilen.

Leider kriege ich auch jede Schicht aufs Neue wieder mit, wie viel von dem Essen im Müll landet und ich mich dann frage, warum Leute sich ein Eis oder ein Brot bestellen, wenn sie es nicht mal annährungsweise anrühren. Diesen verschwenderischen Lebensstil, den ich persönlich ziemlich ärgerlich finde, gibt es leider nicht nur in Deutschland, sondern auch hier in Kanada.

Nun zu den schönen Seiten die der Job mit sich bringt :Trinkgeld. Ich bin zwar kein Kellner und kriege daher kein Trinkgeld von den Gästen, aber die Kellner geben einen gewissen Prozentsatz des Trinkgeldes an die Busser und das Küchenpersonal weiter, was ich sehr gerecht finde ,schließlich arbeite alle dafür das die Gäste zufrieden sind. Im Laufe des Abends bekomme ich also von jedem Kellner mein Trinkgeld, sodass meine Schürze dann voll von Kleingeld und 5$ Scheinen ist und es dann immer ein bisschen klimpert wenn man rumgeht (ein sehr zufriedenstellendes Gefühl ) .Die 1$ Münze wird hier übrigens auch ‚Loonie‘ genannt und die 2$Münze wird ‚Toonie ‚ genannt und von denen kriegt man als Trinkgeld eine ganze Menge. 

Ab und zu kommt es dann auch mal vor, dass einer der Kellner mich bittet Gästen ein Getränk oder ein Baguett zu bringen, da freue ich mich dann immer tierisch wenn ich mal mit den Gästen in Kontakt komme. 

Obwohl die Arbeit relativ eintönig ist und trotzdem sehr stressig und anstrengend werde kann, bin ich sehr froh den Job zu haben, weil die anderen Mitarbeiter sehr nett sind und gerade wenn das Restaurant geschlossen hat und keine neuen Gäste mehr kommen, kann es durchaus nett sein mit den anderen Bussern zu arbeiten und nebenbei ein bisschen zu quatschen. 

Normalerweise arbeite ich 5 Schichten in der Woche an 4 Tagen, weil ich an einem der Tage eine Doppelschicht arbeite.Außer an dem Tag wo ich die Doppelschicht habe, arbeite ich sonst immer nachmittags bis nachts. Die Schicht geht dann so bis 11 oder 12 Uhr nachts, was sicherlich auch ein Grund dafür ist, dass Berufe in der Gastronomie häufiger von jungen Leuten ausgeübt werden. So habe ich jedenfalls 3 Tage in der Woche frei (wenn ich nicht wie momentan Extrasxhichten belege)und da bleibt dann immer ein bisschen Zeit um Schlaf aufzuholen und ein bisschen von der Umgebung zu sehen.

Mit dem Fahrrad , dass mir Jamie (die Mutter bei der ich zur Zeit kostenlos wohne) geliehen hat, bin ich auch relativ mobil, sodass ich mal eine Fahrradtour am Deich entlang zu dem Fischerdorf Steveston gemacht habe und auch mit dem Fahrrad nochmal nach Vancouver Downtown in den Stanley Park und über die bekannte Lions Gate Bridge gefahren bin. 

Und auch hier lässt sich langsam der Frühling blicken und so konnte ich meine ersten kanadischen Krokusse bewundern und bei immer besser werdendem Wetter die Reiselust für Vancouver Island sammeln, was mein nächstes Reiseziel sein wird.