Juni 27

Bären und Kater

Je länger ich hier im Nationalpark bin, desto mehr werden mir hier die krassen Gegensätze bewusst. 

Auf der einen Seite bin ich mitten in der Natur, habe mittlerweile schon 7 Bären gesehen und gewöhne mich langsam an das Wildleben hier. Es scheint mir sogar des öfteren so, als dass nicht die Menschen hier die Regeln vorgeben, sondern die Tiere, da man des öfteren Wanderungen abbrechen muss oder Wege aufgrund der Bärenaktivität gesperrt sind. Und ich bin auch sehr froh darüber, dass ich hier an einem Ort bin, wo den Tieren zuliebe den Menschen Grenzen aufgezeigt werden. 

Auf der anderen Seite ist Banff für das Partyleben und den regen Tourismus bekannt. Gerade die Einheimischen feiern hier eher am Sonntag, so das er auch als „Sunday Funday“ bekannt ist und ich öfters gefragt werde was ich für den Abend vorhabe. 

So hab ich hier auch das erste Mal eine kanadische Party miterlebt, die sogar noch von meinem Arbeitgeber veranstaltet wurde. Mit sämtlichen Mitarbeitern hab ich somit im Restaurant gefeiert. Auch wenn die Kanadier was Alkohl angegeht etwas strenger sind, wurde auf der Feier ähnlich gebechert wie in Deutschland und am nächsten Arbeitstag hatte die Hälfte der Mitarbeiter einen Kater. 

An einem meiner freien Tage bin ich als Tagesausflug dann auch nach Lake Louise gefahren, was wohl einer der bekanntesten Orte in den kanadischen Rockies ist. Der See ist vorallem für seine wunderschöne türkisblaue Farbe bekannt, die durch das Schmelzwasser der Gletscher zustande kommt. Da ich an einem wunderschönen Sommertag am Lake Louise war, war der See nur so mit Touristen überfüllt, die natürlich alle ein Selfie vor dem See haben wollte und mir war der Trubel eindeutig zu viel. So bin ich bei einer Wanderung ein bisschen dem Trubel entkommen und hoch zu einem weiteren See gewandert auf dem sogar noch etwas Eis und umliegender Schnee zu sehen war. Ich hatte an dem Tag auf jeden Fall das Gefühl die schönen Farben der Seen nicht auf meinen Fotos einfangen zu können. 

Da Banff auf einer Höhe von 1400 m liegt, kann das Wetter hier von dem einen auf den anderen Tag auch komplett umschlagen, sodass ich an einem Mittwoch noch 30 Grad genoss und am Samstag wieder Neuschnee in den Bergen lag, was zwar durchaus beeindruckend war, aber dennoch wollte ich einfach keinen Schnee mehr im Juni! 

Meine bisher größte Wandertour in Banff hab ich jetzt erst gestern mit zwei anderen deutschen Reisenden unternommen. Die 11 stündige Wandertour führte uns auf den Mount Roundle. Während der Anfang des Weges  noch angenehm durch den Wald führte und die Steigung durch die Serpentinen sehr erträglich war, wurde der Weg nachdem wir die Baumgrenze überwunden hatten eine echte Zumutung. Ehrlich gesagt gab es auch keinen richtigen Weg mehr. Der Anstieg ging jetzt nur über Geröll, Schotter und lose Steine und so dachte man im ein oder anderen Moment echt komplett abzuschmieren. Die ganze Mühe hat sich allerdings sehr bezahlt gemacht. Auf dem Gipfel angekommen, komnten wir bestauen wie der Berg einfach als senkrechte Bergwand steil bergab ging umd durch den gigantisch starken Wind, der da oben (2945m) wehte, taten wir besser daran uns hinzusetzen, um Unfälle zu vermeiden.

Jetzt ist mein Monat hier in Banff schon fast wieder vorbei und definitiv sehr schnell vergangen. Ich hab sowohl die Arbeit als auch die Freizeit hier genossen und bin froh darüber meine ursprünglichen Pläne geändert zu haben. Meine Zeit hier in Kanada neigt sich nun auch immer mehr dem Ende zu und so ist mein letzter Monat eher wieder etwas durchgeplanter. Nachdem ich am 1. Juli noch den „Canada Day“ hier in Banff feiern will, habe ich mir überlegt zusammen mit einer anderen deutschen Backpackerin, die ich auf der Arbeit kennengelernt habe, nach Jasper zu fahren und so nochmal im Jasper Nationalpark zu campen. Anschließend will ich mir noch die Städte Edmonton und Calgary angucken, bevor es für mich dann wieder nach Vancouver geht…

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Juni 8

Zuhause im Nationalpark…

Mein erster Gedanke als ich hier in Banff im Nationalpark mit dem Bus angekommen bin, war : Kanada wie aus dem Bilderbuch. Die schneebedeckten Berge der Rocky Mountains, Nadelwälder und unglaublich viele türkis blaue Gletscherseen und Flüsse. Genau so wie man sich Kanada halt vorstellt und definitiv sehr beeindruckend. 

Von der Landschaft noch völlig überwältig bin ich dann erstmal in die Touristeninformation gegangen, um mich über Mehrtageswanderungen und das Campen im Nationalpark zu informieren. Das Resultat war allerdings eher ernüchternd, da mir erklärt wurde, dass in den höheren Lagen dieses Jahr einfach noch zu viel Schnee liegt und daher einige Campingplätze  und vorallem Wege noch geschlossen sind und so hat mir die Frau dann eher davon abgeraten hier Mehrtagestouren zu machen… So werden mal wieder ursprüngliche Pläne verworfen und neue müssen her. Nachdem ich meine Sache im Hostel abgeladen habe und ein bisschen durch die Straßen in Banff gebummelt bin, bekam ich aber das Gefühl, dass ich hier gerne etwas länger bleiben möchte. Banff ist ein kleiner Ort mitten im Nationalpark, der vor allem im Sommer vom Tourismus lebt. Und so hat es auch nur einen Tag gebraucht bis ich neue Pläne hatte. Auf gut Glück bin ich hier in Banff wieder in eine Old Spaghetti Factory gegangen und hab mich wieder als Busser beworben. Nach circa 5 min hatte ich den Job ohne ein richtiges Vorstellungsgespräch, da ich bereits die Erfahrungen als Busser in der anderen  Old Spaghetti Factory gesammelt hatte. Danach hab ich mich dann nach einer Unterkunft in Banff umgesehen, was definitiv der schwierigere Part war. Da man im Nationalpark nicht mal eben so neue Häuser bauen kann ,ist der Platz begrenzt und die Angebote alle sehr teuer. Glücklicherweise habe ich jetzt aber für einen Monat ein Raum bei einem Ehepaar mieten können… und so kann ich jetzt sagen, dass ich im Nationalpark wohne. Ein tolles Gefühl. Mein erstes Zimmer was ich miete und dann gleich in so einer Umgebung. 

Mein improvisierter Plan für den nächsten Monat sieht jetzt also so aus, dass ich drei Schichten in der Woche arbeite ,um mir die Unterkunft zu leisten und die restlichen Zeit mit Tageswanderungen und Ausflügen im Nationalpark verbringe. 

Meine ersten Wandererfahrungen habe ich dann zusammen mit einem Arbeitskollegen Rik gemacht. Während wir uns munter unterhalten haben und die Landschaft genossen haben sind wir dann plötzlich durch ein kratzendes Geräusch abgelenkt worden, wo wir ungefähr 10 m neben uns zwei kleine Bären sahen, die gerade versuchten einen Baum hochzuklettern. So niedlich das jetzt auch klingen mag, zu spaßen ist mit so einer Situation dann eher nicht, da die Bärenmütter sehr aggressiv werden können und so haben wir uns dann schleunigst auf den Rückweg gemacht…Wir hatten beide nämlich weder Erfahrung mit so einer Situation noch Bärspray dabei.Es gibt also leider keine Fotos von dem Bären, aber im Nachhinein ist es beeindruckend, dass ich schon an meinem zweiten Tag im Nationalpark Bären gesehen habe. Wirklich Angst hatte ich nicht, aber großen Respekt definitiv! 

Auch in den folgenden Tagen bin ich so dem ein oder anderen wild lebenden Tier begegnet. Vor allem Elche sieht man hier viel und so bin ich doch sehr froh darüber, dass ich meine Pläne geändert habe und wenigstens nicht die ganze Zeit alleine wandere. Von der Arbeit aus werden sogar manchmal Wanderungen unter die Mitarbeiter organisiert. 

Auch wenn Banff als Ort selber relativ voll ist, vorallem von Touristen, muss man sich nur ein paar Minuten von der Hauptstraße wegbewegen und schon ist man komplett alleine in grüner Natur und kann den Trubel komplett hinter sich lassen. 

Neben den Wanderungen, die ich bisher alleine oder mit Rik gemacht habe, habe ich hier in Banff außderdem die Hot Springs besucht. Heutzutage sind sie allerdings eher als eine Art Pool ausgebaut und das Wasser ist bis zu 39 Grad warm. Nach langen Wanderungen sind die Hot Springs aber genau der richtige Ort um zu entspannen und die Seele ein bisschen baumeln zu lassen. 

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